Götz Schramm

Café Deutschland I. R. L.

25.01. – 07.03.2020

Eröffnung: 25.01.2020, 18 Uhr
Einführung: Michaela Filla-Raquin 
Finissage mit Künstlergespräch: 07.03.2020, 18 Uhr

 

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In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung präsentiert Götz Schramm seine Arbeiten sowohl in einer raumgreifenden Installation als auch online. Malerei, Siebdruck, Plastik, aber auch digitale Arbeiten wurden für die Ausstellung im Neuen Kunstverein Gießen entwickelt und werden erstmalig in dieser Konstellation zu sehen sein. Ausgehend von einer Bezugnahme auf seine eigene Biografie, schafft Götz Schramm Raum für eine weitreichende Reflexion der jüngsten Deutschen Geschichte. Café Deutschland I.R.L. erörtert gesellschaftliche und politische Themen unserer Gegenwart, wie das Aufkommen nationalistischer Gefühle in einer engen Beziehung zu Internet-Phänomenen. Götz Schramm ist 1983 in Potsdam geboren und studierte an der Weißensee Kunstschule Berlin. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. 

Die Ausstellung ist der Startpunkt der Plattform Café Deutschland I.R.L., einem langfristig angelegten Projekt von Kooperationen zum Thema Kunst und Politik, welche unter www.cafe-deutschland.online veröffentlicht werden. Für die Ausstellung im Neuen Kunstverein Gießen werden sowohl auf Instagram (@team.liebe) als auch auf Twitter (@LiebeTeam) Memes veröffentlicht. Diese Onlinearbeit ist in Kooperation mit der Künstlerin Marta Vovk entstanden. Zur Eröffnung am 25. Januar findet die Premiere von „Sirenen“ statt, einem Musikvideo von Drangsal in Kooperation mit den Kunstkollektiven Frankfurter Hauptschule und VHS Positiv. 

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

 


Nezaket Ekici

Beschriebenes Blatt

14.03. – 20.06.2020
Die Ausstellung von Nezaket Ekici wurde bis zum 20.06.2020 verlängert 


Eröffnung: 14.03.2020, 18 Uhr

Grußwort: Erhard Waschke

Im Anschlus an die Eröffnung: Artist Talk mit Nezaket Ekici

 

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Wichtige Mitteilung:

Die Vernissage der Ausstellung „Beschriebenes Blatt“ von Nezaket Ekici findet wie geplant statt. 

Aus gegebenem Anlass werden wir auf Speisen und Getränke verzichten und wir bitten alle Besucher*Innen, sich an die üblichen Sicherheits-Verhaltensweisen zu halten. Aufgrund der räumlichen Enge im Kunstverein werden die Besucher*Innen gebeten, sich während des Künstlergesprächs mit Nezaket Ekici draußen aufzuhalten, wo das Gespräch per Lautsprecher übertragen wird.


Die international bekannte türkisch-deutsche Performancekünstlerin Nezaket Ekici (* 1970 in Kirsehir, lebt und arbeitet in Berlin und Stuttgart) hat in den letzten 20 Jahren über 250 Live-Performances, Videos und Installationen in mehr als 50 Ländern realisiert.

Die Künstlerin lässt immer wieder Welten aufeinanderprallen und geht an ihre Grenzen. Sie setzt sich mit den Unterschieden von Kulturen auseinander, arbeitet mit alltäglichen Dingen und lässt sich von der Kunstgeschichte, Architektur und Orten zu ihren Arbeiten inspirieren. In unnachahmlicher Weise stellt sie in ihren Live-Performances und Videoarbeiten eine intensive Nähe zum Publikum her und nimmt die Zuschauer mit auf eine emotionale und ästhetische Reise, die sowohl Höhen als auch Tiefen kennt.


Wir bedanken uns ganz herzlich bei der Alternate GmbH für ihre großzügige Unterstützung

alternate

Nezaket Ekici – Papa’s Poem

Videoperformance/ 3 Kanal Video Installation 2016

 

Die Künstlerin Nezaket Ekici bezieht sich auf die Gedichte Ihres Vater Ziya Ekici (geb. 1937 Türkei, gestorben 1995 in Duisburg) aus seinem Gedichtband "Balik Bastan Kokar/Der Fisch stinkt vom Kopf her". Sie liest ein original-Gedicht von ihrem Vater in drei Sprachen: türkisch, deutsch und englisch. Die Gedichte hat sie selbst ins Deutsche und Englische übersetzt. Die Gedichte hat ihr Vater 1983 in Duisburg verfasst. Er kam 1970 als „Gastarbeiter“ nach Duisburg und holte die Familie 1973 nach. Der Vater hatte zuerst in einer Fabrik gearbeitet und nahm später seinen ursprünglichen Lehrerberuf wieder auf, in dem er dann türkische Klassen in der Grundschule in Duisburg unterrichtete. Es geht um die erste Generation der Gastarbeiter, die ihr Vater in seinen Gedichten bearbeitet hat: Migration, Sehnsucht, Heimat, Flucht, Liebe, Familie etc. Speziell das Gedicht „Eingebildeter Europäer“ (1983 Duisburg) handelt davon, als türkischer Bürger in Deutschland und Europa zu jener Zeit nicht integriert zu sein. Diese Themen aus den 1980er Jahren, die Ihr Vater in seinen Gedichten festgehalten hat‚ sind heute hochaktuell und auf die heutige Flüchtlingsproblematik anwendbar. Werden diese Menschen heute integriert oder leben sie zusammengepfercht in europäischen Ghettos? Wie weit wird Integration geleistet oder sind die Flüchtlinge nur Menschen auf Zeit, wie einst die Gastarbeiter der 60/70/Jahre... Durch den Vortrag des Gedichtes in einer Videoperformance transformiert die Künstlerin die Dichtung ihres Vaters zeitlich und inhaltlich. Mehr als das verbindet die Gedichte ihres Vaters mit ihrer eigenen Historie, die zugleich die Historie Deutschlands ist, und schafft so einen Probierstein, an dem sich ablesen läßt, wie es in der heutigen Europäischen Union um die Integrationsfähigkeit im Lichte der Rückkehr nationalistischer Strömungen bestellt ist. Erstmals live aufgeführt Performance Balik Bastan Kokar, in Fiktion Okzident, 50 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen, Tophane- I_ Amire Istanbul 2011

Credit:
Nezaket Ekici
Papa’s Poem 
Videoperformance/ 3 Kanal Video Installation 2016
Kamera, Schnitt und Videostills: Branka Pavlovic
je 1,48 min . HD, MP4 16:9, sound, colour

Corinne Kitzis

08.05.–20.06.2020 (fällt aus)

 

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Corinne Kitzis (* 1987 in Tel Aviv) erforscht in ihrer Installation Die Kunst einer Hausfrau den Zustand der Weiblichkeit in einer Zeit, in der die Begriffe „privat“ und „öffentlich“ eine neue, fließende Bedeutung haben. Sie verwandelt den Galerieraum in ein amerikanisches Wohnzimmer – ein Ort, an dem Inspiration fehlt, Träume sterben und Kompromisse gemacht werden. Auf dem Fernseher läuft die Corinne Show, eine von der Künstlerin erschaffene Welt im Talkshow-Format der 1990er Jahre. Als Gastgeberin und Selbsthilfe-Guru verkauft Corinne Kitzis in ihrer Show ein Produkt an jedes Paar, das unter einem unglücklichen Eheleben leidet: Das Rollenspiel 2000. Mit Humor und Ehrlichkeit gewährt sie in ihrer Arbeit einen Einblick in das Alltagsleben vieler Familien.


EN GARDE

11.07.–15.08.2020 

 

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Die beiden Künstlerinnen Sandrine Jalquin und Lina Marie Katz arbeiten seit dem Sommer 2018 unter dem Namen studio sörvis an verschiedenen künstlerischen Projekten in Gießen und Frankfurt. Ihre Werke zeichnen sich vor allem durch die Arbeit mit vorgefundenen Materialen aus. Analoge wie auch digitale Verfahren werden in ihren zumeist Siebdrucken und Fotografien gleichermaßen eingesetzt und miteinander ergänzt, so dass oftmals Collagearbeiten mit grafischem und illustrativem Charakter entstehen. 

Die im Neuen Kunstverein ausgestellten Arbeiten setzen sich mit den Begriffen: Eigentum, Grenze und Angst auseinander.

„You´ll do it gently, won´t you“ beschäftigt sich mit einer persönlichen, subtilen Angst, die durch eine Verletzung des körperlichen und geistigen Eigentums entstanden ist und die es zu überwinden gilt. Der Versuch, das reale Leben lückenlos aus der Retrospektive wiederzugeben, ist illusorisch, denn zwischen der Person der Vergangenheit und der der Gegenwart herrscht ein Zwiespalt. Die Frage der Authentizität von Autobiografien darf demnach nicht außer Acht gelassen werden. Neben autobiografischen Einflüssen setzt sich die Arbeit auch mit kollektiven Erlebnissen aus dem Bereich sexueller Übergriffe künstlerisch auseinander.

„German Angst“ hingegen fokussiert eine Angst, deren Ursprung nicht nachvollzogen werden kann, die das Bauen von Grenzen bewirkt und damit ein physisches Eigentum manifestiert. Stacheldrähte, meterhohe Hecken, Zäune, Fenstergitter, verschlossene Gartentüren oder Überwachungskameras. All dies sind symbolische Versuche sich selbst und den eigenen Besitz in Sicherheit zu wiegen. Jene Gestaltungsentscheidungen der eigenen, äußeren vier Wände geben Aufschluss auf die dort lebenden Menschen. Sie scheinen sich vor Etwas oder Jemandem zu fürchten. Ist diese Art von Streben nach einem Sicherheitsgefühl in einem privilegierten Land wie Deutschland nötig? Oder handelt es sich lediglich um eine Manifestierung des eigenen Besitzes?
Wo Abgrenzung geschieht, entsteht in gleichem Maße Ausgrenzung. Nicht zuletzt sollen Parallelen zwischen weltpolitischen Geschehnissen und Aktivitäten der eigenen Heimgestaltung gezogen werden.

Beide Arbeiten enthalten das Ziehen, Aufrechterhalten und Überwinden von Grenzen in jeglicher Weise. Missstände, wie die Nachbeteiligung von Frauen und Minderheiten, sowie fragwürdige, normative Verhaltensweisen sollen aufgezeigt und hinterfragt werden. 

 

Die Ausstellung erfolgt im Rahmen einer neuen Ausstellungsreihe für Absolvent*innen des Instituts für Kunstpädagogik der JLU. Die Räumlichkeiten des Kunstvereins werden zu einer Plattform für junge Künstler*innen, welche sich auf eine Ausschreibung für die Reihe EN GARDE beworben haben.


Aliénor Dauchez

La Mer

12.09.–03.10.2020

Eröffnung: 12.09.2020, 18 Uhr

Grußwort: Melchior B. Tacet

 

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La Mer, est une chanson de mon enfance
La Mer, son mouvement incessant, ses vagues
La Mère, la nôtre, qui nous hante, nous envahit et disparaîtra
La Mère, vraiment?
La Mer questionne la matière du corps, son volume, son origine et ses orifices.

La Mer, ist ein Lied aus meiner Kindheit
La Mer, unaufhörliche Bewegungen, Wellen
La Mère, unsere, die uns heimsucht, uns plagt, und verschwindet
La Mère, wirklich?
La Mer befragt den Körper als Materie: sein Volumen, seine Herkunft und seine Öffnungen.

In ihrer Soloausstellung im Neuen Kunstverein Gießen verhandelt Aliénor Dauchez verschiedene Aspekte von Körperlichkeit. Sichtweisen auf den Körper, die oft in der Vertraulichkeit und abgetrennt von dem bleiben, was er nach außen repräsentiert. Die hier gezeigten Arbeiten stellen das Private aus und lassen es somit politisch werden.

Während der Eröffnung am 12.09.2020 zeigt Aliénor Dauchez die Performance 72x41x35

Aliénor Dauchez ist eine international tätige Bildende Künstlerin und Regisseurin. Erst als Ingenieurin der UTC in Compiègne ausgebildet, studierte sie anschließend Bildende Kunst an der UDK in Berlin und an der Beaux-Arts in Paris bei Gregor Schneider und Giuseppe Penone. 

Sowohl bildnerische als auch theatrale und performative Mittel sind gleichwertige Bestandteile ihrer künstlerischen Arbeit. Als Performerin ist sie selbst oft Bestandteil ihrer Werke oder die Arbeiten sind so konstruiert, dass sie an sich performative Elemente enthalten, indem sie die räumliche Situation und die Situation des Betrachters in stetem Wandel halten oder zumindest das Potential bergen, diese jeden Moment verändern zu können.


Erik Sturm

Urmaterie
10.10.–21.11.2020
Eröffnung: 10. Oktober 2020, 18 Uhr
Artist Talk: Freitag, 13.11.2020, 18 Uhr

 

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„Arbeiten in der Stadt, arbeiten an der Stadt und arbeiten mit der Stadt“ – Für Erik Sturm (* 1982 in Rudolstadt) sind die Realitäten im städtischen Raum der Ausgangspunkt für seine künstlerische Auseinandersetzung. Die Energie, Zeit und Spuren unserer – sich im Umbruch befindenden – Gesellschaft stehen dabei im Fokus seiner neuzeitarchäologischen Arbeitsweise. 

In seiner Einzelausstellung im Neuen Kunstverein Gießen widmet sich der Künstler dem Thema Staub. Dabei ist die Auseinandersetzung mindestens so vielfältig wie das Material selbst. Staub ist für Erik Sturm ein konstanter Fundus von Ideen. Staub ist alltägliches Material, unbrauchbarer Rückstand, alles, was irgendwann einmal klein gerieben wurde, Sammelbegriff für die feinsten Partikel unserer Umwelt, ein Index von Zeit, urbaner Umweltmüll, so klein, dass er fast unsichtbar ist und doch allgegenwärtig. 

Aus verschiedenen Perspektiven nähert sich Erik Sturm der vielseitigen Materie Staub und greift damit ein Phänomen heraus, das viel über unsere Jetzt-Zeit zu erzählen vermag. Im Neuen Kunstverein Gießen ist eine konzentrierte Zusammenschau der seit 2012 entstandenen Arbeiten zum Thema Staub zu sehen.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Edition.


Jan Schmidt

28.11.2020–16.01.2021 

 

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In den Arbeiten von Jan Schmidt (* 1973 in Wiesbaden, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main) zeigt sich eine leidenschaftliche Beziehung zum Material. Immer ist es das Material selbst und das in ihm enthaltene Potential zur Veränderung, das den Künstler fasziniert. Schmidts Arbeiten, die u. a. als Zeichnungen, Objekte und Installationen vorliegen, sind Ergebnisse von Untersuchungen zu Funktion, Form und Zeitverlauf. Sie erscheinen als werkhafte Dokumentationen dynamischer Vorgänge in Begegnung mit einem spielerisch-formalisierenden Blick und bilden im Ergebnis immer einen inspirierenden Zusammengang stofflicher und reflektierter Wirklichkeiten.