Jan Schmidt

GRANDE SAN PAOLO

28.11.2020–16.01.2021

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine Edition.

 

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In den Arbeiten von Jan Schmidt (* 1973 in Wiesbaden, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main) zeigt sich eine leidenschaftliche Beziehung zum Material. Immer ist es das Material selbst und das in ihm enthaltene Potential zur Veränderung, das den Künstler fasziniert. Schmidts Arbeiten, die u. a. als Zeichnungen, Objekte und Installationen vorliegen, sind Ergebnisse von Untersuchungen zu Funktion, Form und Zeitverlauf. Sie erscheinen als werkhafte Dokumentationen dynamischer Vorgänge in Begegnung mit einem spielerisch-formalisierenden Blick und bilden im Ergebnis immer einen inspirierenden Zusammengang stofflicher und reflektierter Wirklichkeiten.

GRANDE SAN PAOLO

Zu Anfang dieses Jahres war Jan Schmidt mit einem Reisestipendium der Hessischen Kulturstiftung per Schiff unterwegs gen Südamerika. Ganz bewusst hatte er sich dabei auf die ganz karge Umgebung eines Frachtschiffes eingelassen, um ohne jede Ablenkung mit seiner Aufmerksamkeit ganz beim künstlerischen Arbeiten auf hoher See bleiben zu können. 

Als Jan Schmidt nach Rückkehr nach Deutschland erstmals zur Ortsbegehung im ehemaligen Kiosk war, identifizierte er den Blick aus dem Kunstverein auf die belebte Kreuzung der Licher, der Grünberger und der Moltkestraße unmittelbar mit dem Blick von der Schiffsbrücke aus auf die offene, wogende See ...

Grimaldi Lines, 2020 (Bleistift auf Papier)

Der Seegang und die Vibrationen des Schiffdiesels aber auch der weite Blick auf die offene See waren bestimmende Größen dieser Reise. Für die Linienarbeit stand der Künstler zweimal täglich, morgens und abends, an der Reling und setzte einen Graphitstift auf ein vorbereitetes Blatt Papier, während er für die kommenden geschätzt 45 Minuten auf die hohe See schaute. Deren Anmutung zusammen mit dem Dröhnen der Schiffsmotoren führten den Künstler in eine Selbstvergessenheit, die bewirkte, dass nicht mehr er es war, der die Linie zeichnete, sondern das jene aus der Resonanz der einzelnen, bestimmenden Eindrücke hervorging. Die vom Künstler mit dem offiziellen Stempel der Reederei beglaubigten Zeichnungen sind auf der Hauptwand des Kunstvereins zu sehen.  

Biscaya, 2020 (Ein-Kanal-Video)

Die Videoarbeit im Seitenfenster zeigt eine Aufsicht auf zwei ineinander gestellte, geöffnete Weißblechdosen, auf deren oberen Rand jeweils eine Murmel wie auf Schienen läuft. Der Antrieb der Murmeln ist nichts anderes als der Seegang, der das Schiff hebt und senkt, zur Seite neigt und wieder aufrichtet. 

Für weitere Einblicke in das Oeuvre des Künstlers besuchen Sie bitte auch www.schmidt01.de sowie www.galerie-beckers.com.

 

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GRANDE SAN PAOLO, 2020 – Edition für den Neuen Kunstverein 

Eine kuriose Begleiterscheinung der kargen Umgebung des Containerschiffes waren die Geräusche, welche die Vibrationen des Schiffsantriebes dem Interieur entlockte. Das rhythmische Knarzen eines Deckenpaneels oder auch das Klappern der Unterkonstruktion einer Tischtennisplatte ergaben quasi klingende Ready-Mades (und mussten abseits der ästhetischen Wahrnehmung in jedem anderen Moment der Reise schlichtweg ausgehalten werden). Rasch war bei der Ortsbegehung auch die Idee einer Edition in Single-Form geboren, in marineblauem Vinyl, mit jeweils einer Aufnahme dieser Geräuschmuster auf der Vorder- und der Rückseite. Der QR-Code rechts unten bzw. die daneben stehende URL bringen Sie an die Stelle auf der Website des Kunstvereins, wo sie die Vorder- und Rückseite der Single-Edition vorab anhören können. 

Die Vorzugsausgabe für den Neuen Kunstverein Gießen beinhaltet außer der 7“ Single aus blau transparentem Vinyl beidseitige Tuschezeichnungen auf dem runden Etikett der Scheibe. Ebenso Bestandteil ist ein hochwertiger Druck eines Fotos, dass Schmidt an Deck des Frachters aufnahm. 

Die Edition erscheint als Multiple in 30er Auflage zum Preis von 90€ incl. USt. Jedes Label jeder Single ist vorder- und rückseitig auf einem sich drehenden Plattenteller aufliegend händisch mit einem Pinselstrich mit verschiedenfarbigem Schellack versehen worden. Der Edition liegt eine Karte bei, die Auskunft über die Editionsnummer gibt.

Seite A (5:32 min.)

Seite B (5:52 min.)

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