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Das Archiv ist noch in Arbeit. Deswegen bis 2006 nur eine kurze Chronologie der Ausstellungen:

2010:

 

Armin Hartenstein | Mes Amis de Emmanuel Bove
17.04. – 05.06.2010 | Eröffnung: 17.04. | 18 Uhr



Für seine Installation im Neuen Kunstverein Gießen verwendet Armin Hartenstein (*1968, lebt in Düsseldorf) kleine Bildobjekte aus der Serie „Mes Amis de Emmanuel Bove“. Nicht nur die kleinen Tafeln, sondern auch die subtil veränderte Farbigkeit des Ausstellungsraumes begünstigen einen konzentrierten Blick in die scheinbare Tiefe der Miniaturen. Fundstücke unterschiedlichster Herkunft wurden montiert und mit verschiedenen Malmitteln bearbeitet. So entstanden zerklüftete Gebirgsketten und abgründige Landschaftsutopien, die sich trotz ihrer Kleinheit auf den ganzen Raum beziehen und die Frage nach der „Wirklichkeit des Bildes“ formulieren, indem sie sich als Teil der Realität behaupten.

www.ruzicskaweiss.de/artists/armin-hartenstein

 

 

Jáchym Fleig | Deckenrelief
23.01.–12.03.2010 | Eröffnung: 23.01.2010 | 18 Uhr

       Künstlergespräch: 07.03.2010, 15 Uhr


fleig


Jáchym Fleig ist ein Bildhauer, der reagiert. Wuchernd antwortet er auf architektonische oder räumliche Situationen, stets fügt er zu Vorhandenem etwas dazu. Seine biomorphen Gebilde besetzen vorgefundene bauliche Substanz und nutzen sie – pilzartigen Schmarotzern gleich – als Träger oder Wirt. Die Symbiose aus invasiver Skulptur, die sich auf architektonischem Bestand niederlässt, an ihn anflanscht, ihn befällt, aus ihm herauswächst oder dort ausblüht, führt zu Irritationen. Das Erscheinungsbild und der Charakter  von Gebäuden oder Räumen werden – ebenso wie die künstlerische Autonomie des sich ausbreitenden Besetzers –  hinterfragt. Für seine skulpturalen Eingriffe nutzt der Künstler profane Baumaterialien, aus denen er organische Formen und Flächen zurückgenommener Farbigkeit generiert.

Im Ausstellungsraum des Gießener Kunstvereins ist die Decke von Fleigs „parasitärem Kunstbefall“ (Tarek Stachelhaus) betroffen. Dieser blüht als abstrakte Struktur – als merkwürdiger Bewuchs changierend zwischen schmückendem Stuckornament und schimmeligem Flor – bis in den Außenraum aus. „Ich mache abstrakte Konstrukte“, sagt Jáchym Fleig, der mit jeder plastischen Antwort auf gegebene Realitäten immer wieder auf der Suche nach der richtigen ortsspezifischen Form ist. In Gießen nimmt er neben dem konkret räumlichen auch Bezug auf den historischen Kontext der ehemaligen Kiosk-Toilettenanlage aus den 1930er Jahren. Hier scheint ein Teil unheilvoller Geschichte wieder wie Nässe durchzuschlagen. Einem Kontrastmittel gleich zeigt das Deckenrelief quasi in der zweiten Schicht zeichenhafte Spuren, die mit einem Blick zum gegenüberliegenden „Greifen-Denkmal“ wie ein Schattenriss lesbar werden.

Ingke Günther

www.jachymfleig.com

 

2009:

Sabina Kaeser & Thomas J. Hauck | Das Archiv
14.11.2009–09.01.2010 | Eröffnung: 14.11. | 18 Uhr


Sabina Kaeser (*1973, lebt in Zürich) und Thomas J. Hauck (*1958, lebt in Berlin) schaffen Raumbilder von absoluter Poesie. Das Archiv reagiert mit rotem Faden auf vorhandene Örtlichkeiten und stellt Bezüge zwischen Außen- und Innenräumen her. Die Gießener Installation wird unter Einbeziehung der Umgebung speziell die Kiosk-Situation thematisieren und mittels Faden und Zeichnungen auf die Bündelung von Wegen und Räumen durch Kioske eingehen.

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San Keller | RS     KPRSGB
03.10.–07.11.2009 | Eröffnung: 03.10. | 18 Uhr

Die Audioinstallation am Kunstverein ist jederzeit zugänglich.
Vortrag von San Keller: 28.10.09, 20.00 Uhr
im Institut für Theaterwissenschaften, Gießen

keller

„RS     KPRSGB“
Der aus der Schweiz stammende Künstler San Keller wurde mit ephemeren aber eindrücklichen Performances im öffentlichen Raum, die auf Partizipation angelegt waren, international bekannt. Nun widmet er sich seit einiger Zeit dem Ausstellungsbetrieb. Äußerst aufmerksam registriert er dort, was um ihn passiert, reagiert „wie ein Seismograph“ (Dolores Denaro, in: Kat.Ausst. Show Show) auf die Spielweisen des Kunstsystems, auf deren Ausstellungsorte, vorbereitende Gespräche, die Besucher und das dort agierende Kunstpersonal. Punktgenau und hintergründig formt er daraus seine Arbeiten, thematisiert „seine eigene künstlerische Laufbahn, die Beziehungen und Hierarchien im Kunstbetrieb“ (ebd.) sowie ortsspezifische Gegeben- oder Verfasstheiten.
Waren seine früheren Arbeiten der Kunst als Dienstleistung zuzuschreiben, spannt San Keller nun gerne andere für seine Kunst ein. Im Neuen Kunstverein Gießen, einem noch relativ jungen und auf Wachstum ausgerichteten Verein, schickte er den Vorstand und engagierte Mitglieder hausieren. Unangekündigt und im Schichtdienst ging jeweils ein Vereinsmitglied in Begleitung des Künstlers von Tür zu Tür und warb unter den Gießener Bürgern neue Mitglieder. Wer sich bei dieser ungewöhnlichen Klinkenputz-Aktion des Kunstvereins spontan überreden ließ, noch an der Tür eine Mitgliedschaft zu unterschreiben, bekam von San Keller aus seinem Ausstellungsbudget das erste Jahr Mitgliedschaft geschenkt. Aus den Anfangsbuchstaben der ersten zehn neu geworbenen Mitglieder setzt sich nun der aktuelle Ausstellungstitel zusammen. Die Leerstelle im Titel steht für zwei Mitglieder, die noch am selben Tag wieder ausgetreten sind.
Das Werben der Hausierer ist nun als permanente Audioinstallation am Kunstverein zu hören. Um die Antworten der Neumitglieder beschnitten spricht der Kunstverein nun quasi ununterbrochen für sich selbst. Auf sehr individuelle Weise versucht er wortreich davon zu überzeugen, dass die Arbeit des Kunstvereins für das kulturelle Leben der Stadt wichtig und eine Mitgliedschaft deswegen sinnvoll ist. Verspiegelte Fensterflächen halten das Publikum bei dieser Installation vor der Tür des Kunstvereins – der Eintritt bleibt verwehrt  und das Kunsterlebnis allein auf das Zuhören beschränkt.

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

 

 

Katja von Puttkamer | Stadt x erin
15.08.–19.09.2009 | Eröffnung: 15.08. | 18 Uhr

Die Künstlerin arbeitet vom 7.–13. September vor Ort.
Einführung: Dr. Sonja Müller
Künstlergespräch: 13. September 2009, 15 Uhr



Als subjektive Erfahrungszone erforscht die Malerin Katja von Puttkamer den Gießener Stadtraum und nähert sich ihm mit dem Blick einer Fremden. Auf Stadttouren zu Fuß hat Puttkamer im Vorfeld der Ausstellung urbane Eindrücke filmisch und fotografisch festgehaltene. Die so gesammelten Bilder nutzt sie anschließend als assoziative Bildauslöser und wertet sie malerisch aus. Ihr Interesse liegt dabei vor allem an den Details der durch die Nachkriegsarchitektur geprägten Stadtlandschaft und den gerne übersehenen Nischen des urbanen Neben- und Übereinanders.

Nicht ein minuziöses Kopieren ihrer Vorlagen ist Puttkamers malerisches Anliegen, sondern eine persönliche Annäherung an Ausschnitte von städtischem Gefüge. In mehreren Malgängen findet sie ihre Bilder durch schichtweise Übermalungen mit Ölfarbe auf Holztafeln -- sie vereinfacht, lässt weg, verdichtet. Dabei entstehen flüchtig anmutende Bilder, die sowohl Abbildung von Stadt und gleichzeitig ihre Lösung sind und zwischen Wiedergabe und Abstraktion pendeln.

Auf der Suche nach adäquaten "Gehäusen" für ihre Malerei denkt Katja v. Puttkamer ihre Ausstellungsräume häufig mit und formt sie installativ um. Im Neuen Kunstverein Gießen setzt sie ihre Bilder in den komplett mit Zeichenpapier ausgeschlagenen Ausstellungsraum. Ein fragiler, papierner Raum im Raum entsteht, der der Künstlerin als Präsentations- und Arbeitssituation dient. In kleinen Ausschnitten gibt sie den sonst großzügigen Fensterblick frei und provoziert mit dieser Ausschnitthaftigkeit Wechselwirkungen zwischen neu "eingekleidetem" Realraum, gemalten Stadträumen und dem bebauten Umfeld in unmittelbarer Nachbarschaft.

In der Zeit vom 7. bis 12. September wird die Malerin den Kunstverein als Atelierraum nutzen und vor Ort ihre urbane Bildersammlung um kleinformatige Gouachen auf Bütten erweitern. So wird sie das Außen bildnerisch sukzessive nach Innen getragen und die Ausstellungssituation im Arbeitsprozess verändern.

Zur Eröffnung erscheint eine Kaltnadelradierung als ortsspezifische Edition.

 

 

zwölfeinhalb
04.06. und 18.06.2009 | 18 Uhr
      
Kunsthalle Gießen in der Kongresshalle · Berliner Platz 2

Kunsthalle
Foto: Scott Budzynski

Die Einladung hier als Download (PDF | 470 KB)

zwölfeinhalb ist nicht die dreizehnte Ausstellung des Projekts ‚Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst‘.
Zum Abschluss des Projekts ‚Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst’ und am Ende der Nutzung der Ausstellungsräume in der Kongresshalle als städtische Kunsthalle lenkt zwölfeinhalb vielmehr den Blick auf diese Räume selbst. zwölfeinhalb ist damit eine Hommage an Sven Markelius (1889–1972), den Architekten der 1966 als ‚Bürgerhaus‘ eingeweihten Kongresshalle. Aus aktuellem Anlass nimmt zwölfeinhalb aber auch die Gelegenheit wahr, eine Standortbestimmung vorzunehmen und eine breite öffentliche Diskussion über den Stellenwert der zeitgenössischen bildenden Kunst in Gießen in Gang zu setzen.

Kongresshalle
Bürgerhaus Gießen (1962-1966)

Donnerstag, 4. Juni 2009 | Geöffnet ab 18 Uhr

20 Uhr
Marcel Baumgartner
Begrüßung und Einführung

Scott Budzynski | Kunst- und Architekturhistoriker (Gießen/Berlin)
Eine neue Stadtkrone. Zur Bedeutung und zum Kontext des ‚Bürgerhauses Gießen‘ von Sven Markelius

22 Uhr
Strange Movie Club presents: Berlin Babylon
D 1996–2001 | 87 Min. | Regie: Hubertus Siegert | Soundtrack: Einstürzende Neubauten
Das Drama des Städtebaus in Berlin nach der Maueröffnung


Donnerstag, 18. Juni 2009 | Geöffnet ab 18 Uhr

20 Uhr
Armin Chodzinski
In The City – Über das Tätigsein in der Stadt
Ein Vortrag mit Krawatte, Musik und PowerPoint, in dem vielleicht gesungen oder getanzt wird

21 Uhr
Gespräch mit Gästen und Publikum über Kunst im städtischen Raum
Marcel Baumgartner, Kunsthistoriker (Gießen)
Armin Chodzinski, Künstler Performer Forscher (Hamburg)
Andrea Knobloch, Künstlerin (Düsseldorf)
Markus Lepper, Leiter des Neuen Kunstvereins Gießen (Gießen)
Harald Scherer, Kulturdezernent (Gießen)
Rudolf Schmitz, Kunstkritiker (Frankfurt am Main)
Moderation: Jörg Wagner, Künstler (Gießen)

zwölfeinhalb wird begleitet von
• Knut Eckstein: détournement (constructing situation)
• der extravagantbar
• einer Dokumentation zum Bau des ‚Bürgerhauses Gießen‘
von Sven Markelius
• einer Dokumentation zum Projekt ‚Kunstgeschichte und
zeitgenössische Kunst‘

Kunsthalle Gießen in der Kongresshalle
Berliner Platz 2

 

Ina Weber | Beton ist geduldig
09.05.–20.06.2009 | Eröffnung: 09.05. | 18 Uhr


Ina Weber »sammelt Architekturen wie Trophäen, sie sammelt sie im Vorbeifahren oder im Vorübergehen mit der Kamera ein, um sie dann, zeichnend und aquarellierend, aus ihrem Umfeld und städtischen Kontext heraus zu präparieren«, so Renate Wiehager 1999. Auch in Gießen wird Ina Weber (*1964, lebt in Berlin) auf die Pirsch gehen und die gebaute Umwelt untersuchen. Doch ihre Forschungsergebnisse präsentiert sie nicht auf Papier, sondern in Beton. Ina Weber studierte u.a. bei Martin Kippenberger.

weber

 

Christoph Bartolosch | Walhalla
21.03.–25.04.2009 | Eröffnung: 21.03. | 18 Uhr

Ob in seiner Zeichnung, seiner Malerei oder Fotografie – Christoph Bartolosch (*1959, lebt in Hannover) ist ein konzeptueller Bildersammler, der aus dem unerschöpflichen Reservoir visueller
Bildwelten schöpft. Viele seiner angeeigneten und ironisch umgeformten Darstellungen sind einem Bildvorrat entlehnt, der versucht »Welt« auf strukturierte und begrifflich geordneter Weise zu reduzieren. In Gießen macht er den Ausstellungsraum zum Bilderspeicher aller malerisch entnommenen Stadtansichten des »Volks-Brockhauses« aus der Entstehungszeit des Kiosks.


bartlolosch

 

 

2008:

 

Herbert Warmuth – blau und gelb
Eröffnung: 24.01.2009 · 18 Uhr

Dauer der Ausstellung: 24.01. – 07.03.2009

Künstlergespräch: 21.02. · 17 Uhr

Warmuth

"Aktuell ist die Wirkung der malerischen Strategien von Herbert Warmuth in den kioskähnlichen Räumlichkeiten des Neuen Kunstvereins Gießen bis 7. März 2009 zu erleben. Im kleinsten Kunstverein der Republik, der sein 10 jähriges Gründungsjubiläum im November feiern konnte, verschärft Warmuth die angebotene Staffelung der Raumanmutung der vorhandenen Architektur in ihren Wandrücksprüngen durch progressiv schmaler werdende Vertikalstreifen im Farbwechsel von Hellblau und Cremeweiß. Wie übergroße Pflaster hängt er über mehrere der Farbgrenzen farblich angepasste -- mehr noch -- irritierende Faltenbilder. Die illusionierten Faltenwürfe eröffnen in ihrer Widersprüchlichkeit aktive Unklarheit über eventuelle Thermiken, mögliche Materialitäten. -- Kunst ist eine Bedeutungsfassade. Auf welches "Dahinter" spielt das an? Hier verführt der neue Meister anders als im Malerwettstreit, den Plinius der Ältere als Lehrgeschichte auftischte. Bekanntlich gewann dort Parrhasios, weil er seinen Künstlerkollegen mit einem gemalten Vorhang täuschen konnte, den dieser zur Bildbeurteilung irrigerweise vom "Bild" gezogen haben wollte. Herbert Warmuth bietet mehr als diese künstlerische Wirklichkeitsvergewisserung.

Mit seiner kunstvollen Verschränkung von Raum-in-Bild- und Bild-in-Raum-Konstruktion schafft er die entzündende Durchdringung. Nicht die enttarnte Täuschung bringt hier den vollen Erlebnisgewinn.
Warmuths Bildkraft vertraut immer dem ästhetischen Genuss. Die selbst gewahre Betrachtung ermöglicht die wache Freude an der Kunst. Es geht um nichts weniger als eine erweiterte Fähigkeit zur Wahrnehmung."

Konstantin Adamopoulos, Auszug aus: artkaleidoscope Nr. 1/2009

www.herbertwarmuth.de

 

 

Kim Nekarda – Zehntausend
      08.11.2008 – 10.01.2009

Kim Nekarda (*1973 in Gießen) verknüpft Vorstellungen der klassischen Landschaftsmalerei mit Versatzstücken aus Stillleben, Comic und Kino. Dabei wird der Betrachter der menschenleeren, kulissenartigen Szenerien zum eigentlichen Akteur, der sich die bildnerische Handlung erst erschließen muss. „Thema und primäres Interesse Kim Nekardas ist letztlich die Erzählung selbst, die in permanentem Wandel immer neue Gestalt annimmt.“ (Doris Mampe)

Einführung: Meike Behm

 

 

Lois Renner – Ghost
Eröffnung: 06.09.2008 · 18 Uhr


Dauer der Ausstellung: 06.09 - 25.10 2008
Mi. 16 - 19 Uhr und Sa. 14 - 17 Uhr


Schon seit Jahren arbeitet Lois Renner (*1961 in Salzburg) an einem
erweiterten Malereibegriff. In seinem Ateliermodell agiert er an der Schnittstelle von Malerei und Fotografie und definiert die Situation von, Maler und Modell' völlig neu. Er sagt: "Den Umgang mit der Zeit entnehme ich der mir bekannten Fotowelt und den Umgang mit der Schnitttechnik der Welt der traditionellen Malerei, dem Dürer-Raster und Perspektive."

Lois Renner
Geboren 1961 in Salzburg/Österreich.
Lebt und arbeitet in Wien.
1981-84 Meisterschule für das Österreichische Malerhandwerk, Baden bei Wien
1984-85 Hochschule Mozarteum, Salzburg
1985-88 Rheinische Kunstakademie Düsseldorf
1992 Msgr. Otto Mauer-Preis
1994 Österreichisches Staatsstipendium für Bildende Kunst
2001 Großer Kunstpreis des Landes Salzburg
2002 Internationaler Preis für Fotografie der II. Kunstbiennale Buenos Aires
2002-2005 Professur für Künstlerische Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe.

„Im Grunde ist die Inszenierung seiner Bilder zunächst ein skulpturaler Vorgang und das Ergebnis seiner Arbeit in jedem Fall ein Unikat. Doch nicht etwa in Öl auf Leinwand, sondern als ihr mit der Großformatkamera im Medium der Fotografie realisiertes Abbild. Worum es geht freilich sind Farbe und Form, Raum und Komposition, Zwei- und Dreidimensionalität. Und also nichts als Malerei - materiell, vor allem aber ideell, als Untersuchung ihrer Möglichkeiten. „Mit acht von zehn Fingern“, so Renner, „muss ich an der Fotografie festhalten, um mit den verbleibenden zwei zu malen.“

Dabei zeigen gerade die neueren Arbeiten, wie weit Renner vorangekommen ist in seinen Reflexionen über die Grundbedingungen der Malerei. Denn während er in den neunziger Jahren vorwiegend mit Atelierbildern bekannt geworden ist, die statt das Atelier des Künstlers, wie man zunächst glauben könnte, ein akribisch en miniature realisiertes Modell vorführten, indes die Illusion mit allerlei Maßstab sprengenden Irritationen sogleich wieder in Frage stellte, verzichten Arbeiten wie „Vermeer“ oder „Vermeer (Hände)“ auf den ersten Blick völlig auf die Inszenierung des Raumes.“

Auszug aus: Christoph Schütte, Lois Renner hält mit zwei Fingern an der Malerei fest, aus: Artkaleidoscope Frankfurt, Heft 3/2008.

www.loisrenner.com

 

 

STAR ALLIANCE
Eröffnung: 02.08.2008 · 18 Uhr


Christoph Becker
Altan Eskin
Peter Pypec
Wendelin Weishaupt
Daniel Wind


Star Alliance


Dauer der Ausstellung: 2. - 30. August 2008

Einführung: Prof. Wolfgang Luy

Kuratorin: Claudia Olbrych

Es erscheint eine Publikation


Zum dritten Mal in Folge findet im Urlaubsmonat August das Ferienprogramm im Neuen Kunstverein Gießen statt, diesmal mit fünf Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach am Main. Als Ergänzung zu den fünf jährlich stattfindenden Ausstellungen im Neuen Kunstverein Gießen gibt das Ferienprogramm ausschließlich jungen Künstlern die Möglichkeit einer Ausstellung in einem professionellen Rahmen, inklusive Feuerwerk.
Christoph Becker, Altan Eskin, Peter Pypec, Wendelin Weishaupt und Daniel Wind studieren Bildhauerei bei Prof. Wolfgang Luy. Gruppenausstellungen bieten sich an, wenn viel Platz zur Verfügung steht. Die „Star Alliance“ in Gießen soll beweisen, dass es auch anders geht.

Dass Christoph Becker (*1973) nicht viele Worte macht, wenn es um die eigene Vita oder um Auskunft über seine Arbeiten geht, wird schnell klar. Seine Werke zeichnen sich durch Objektivität und systematische Klarheit aus. Sie bestehen meistens aus einfachen, übersichtlichen und geometrischen Grundstrukturen, ohne eigene kompositionelle Differenzierung. Hinzu kommt die Freude am Experimentieren mit Formen, wenn der Künstler beispielsweise kleine Eiffelturm-Skulpturen in einzelne Bauteile zerlegt, um sie in anderer Form wieder zusammen zu fügen. Im Neuen Kunstverein Gießen zeigt er eine neu entstandene Arbeit an der prominentesten Wand des Ausstellungsraumes, die hoffentlich nicht angezündet wird. Ein dünner langer Holzstock und ein Stück Zündschnur verweisen auf den scheinbar in der Wand steckenden Feuerwerkskörper.

Altan Eskins (*1979) künstlerischer Werdegang begann mit der Fotografie. Seine Rauminstallationen sind - mal aufwendige Skulpturen, die von Licht und Ton beeinflußt werden, mal formal einfache, lineare Raumverspannungen, die mit Hilfe von Schnüren flächenbildende Wirkung erzielen - stets raumgreifend. Eskins oft poetisch betitelte Arbeiten, meist mit persönlichem Bezug, schließen den Betrachter mit ein, der gezwungen ist, seine Perspektive zu ändern, will er die Objekte erfassen. Er wird somit Teil des Ganzen und kann interaktiv mitwirken. Bei seinen neuen Arbeiten handelt es sich um kleine Objekte, deren Form auf Faltungen quadratischer Papierstücke basiert, die auf das Material Holz übertragen wurden.

Peter Pypec (*1975) studierte zunächst Freie Kunst bei Rolf Thiele an der Hochschule für Künste in Bremen, bevor er an die HfG wechselte. Eine Vorliebe für ein bestimmtes Medium, Material oder Thema lässt sich bei ihm schwer ausmachen; Fotografie, Objekte, Rauminstallationen und Performances stehen bei Pypec gleichberechtigt nebeneinander. Schon früh arbeitete er allerdings mit Spiegelobjekten, die auch immer wieder den Betrachter miteinbeziehen. Auf spielerische Art und Weise werden so auch Bezüge zur Kunstgeschichte (Duchamp) und Psychoanalyse (Lacan) hergestellt. Für die Giessener Ausstellung nutzt er auch den Außenbereich des ehemaligen Kiosks.

Indizienfahndung mit Wendelin Weishaupt (*1978): Das Fenster, durch das 1963 der amerikanische Präsident John F. Kennedy erschossen wurde, befindet sich heute in Holland. Mitte des Jahres wurde es bei dem Online-Auktionshaus eBay versteigert und wechselte für ca. 3 Millionen Dollar den Besitzer. Weishaupts Arbeit "Fitzgerald, Fitzgerald" (in Anlehnung an den zweiten Vornamen Kennedys) befindet sich im Neuen Kunstverein Gießen und im Nasher Sculpture Center in Dallas (USA), wohin der Künstler den zweiten Nachbau des Fensters zusammen mit einem Anschreiben schickt, und wo es nun seinem unklaren Schicksal überlassen wird. Das Nasher Sculpture Center gehört zu den größten Sammlungen Moderner Skulpturen der Welt, der Neue Kunstverein Gießen gilt als der kleinste Kunstverein Deutschlands. Etwas haben beide nun gemeinsam.

Das Lieblingsmaterial von Daniel Wind (*1978) ist Silikon. In seiner Kindheit wurde ihm der "Dauerelastische" als ein Heilmittel für alle kleinen handwerklichen Probleme angepriesen. In der Tat erweist sich das Material als besonders: Im Rohzustand weich und formbar, bleibt es nach der Aushärtung flexibel, aber dennoch fest. Die zwei ausgestellten Arbeiten Winds beweisen dessen Vorliebe für allerlei Säulen, Podeste und Gerüste und sind als Erweiterung des Vorgefundenen zu verstehen, als Veränderungen des Raumes und des Objekts "Schuhe": Die künstlich eingezogenen Dachbalken im Ausstellungsraum täuschen aufgrund der mit dem Pinsel aufgetragenen Silikonbeschichtung eine grobe Holzoberfläche vor, die auf einem Podest stehenden Schuhe wurden vorne abgeschnitten und mit Silikon zur gewünschten Größe verlängert.


 

Jorinde Voigt | Ralf Ziervogel – Terz
      03.05.–21.06.2008

      Eröffnung: 3. Mai 2008, 18 Uhr

      Gespräch mit den Künstlern am 4. Mai 2008, 11 Uhr

Jorinde Voigt (*1977 in Frankfurt/Main) und Ralf Ziervogel (*1975 in Clausthal-Zellerfeld) verändern den polygonalen Raum des Kiosks in ein begehbares Dreieck.
Innerhalb des Raumes steht sich die zeichnerische Arbeit der beiden in Berlin lebenden Künstler gegenüber. Es geht um Wahnsinn, Zivilisation, Deklination; entlang dem, was ein(e) Terz eigentlich ist.

Voigt

Ziervogel

www.jorindevoigt.com

Jorinde Voigt in "Monopol Nr. 4/2008"

www.ralfziervogel.com

Ralf Ziervogel in der FAS

 

 

Markus Putze – Black Gravity
      15.03.–26.04.2008, Eröffnung 15.03., 18 Uhr mit Konzert


Foto: Heiner Schultz

 

Das erste Mal – und die Erinnerung daran

Leichte Mädchen, Ian Curtis (der Sänger von Joy Division), die Freundin Yvonne und ein Künstlerkollege aus Akademietagen – sie alle bevölkern die Malereien und Zeichnungen von Markus Putze – und sie bevölkern sein Leben. Was auf den ersten Blick mitunter disparat wirkt, ist für den Künstler selbstverständlich miteinander verwoben. Ein Telefonanruf mitten in der Nacht bebildert den Song, der gerade läuft, mit dem Porträt des Anrufers.

Die Nacht, der Spiegel, ein Werwolf, der Nebel, der Wald – das alles sind Motive der Romantik, in denen das Abgründige und die Dualität der Welt widerscheint. Mit Romantik ist hier nicht die Lagerfeuerromantik einer Bravo Foto-Love-Story gemeint, sondern die kulturgeschichtliche Verfassung, in der sich die Abwendung von der Antike und die Hinwendung zur Sagen- und Symbolwelt des Mittelalters vollzieht.
Viele Künstler der Romantik wählten bewusst einen Standpunkt, von dem aus die Erkenntnisse des Zeitalters der Aufklärung ignoriert wurden. Die treibende Kraft der Romantik war die Sehnsucht nach Heilung der Welt und die Einheit eben jener Gegensätze, die während des 17. und 18. Jahrhunderts im Geiste der Aufklärung und im Zusammenhang gesellschaftlicher Emanzipationsprozesse mühevoll differenziert worden waren.
Das Erlebnis der Natur, das Hineingeworfensein in die Welt und das Staunen über die Schöpfung waren zentrale Motive in Kunst, Musik und Literatur der Romantik.

Von Apoll und Dionysos, vom Humanen und Animalischen hört man und die Komplexität der Welt erfährt man (für gewöhnlich) zum ersten Mal während der psychologisch so bedeutsamen Phase der Adoleszens. Vieles passiert hier zum ersten Mal und es ist nicht verwunderlich, dass in der Zeit, in der sich das Sexualleben entfaltet auch das Seelenleben komplexer wird und Fragen nach der Endlichkeit der Welt, nach Liebe, Tod und Gott, schlicht existentialistische Fragen zum ersten Mal formuliert werden.

Mit Black Gravity realisiert Markus Putze eine Wandmalerei, bei der sich die Welt der Comics, die Anmutung von Scherenschnitten und die Versprechen schemenhafter Pin-ups zu neuen bildnerischen Geschichten verdichten. Eine Glühbirne und Spiegelungen vor und hinter einem Perlenvorhang sowie Aquarelle und Zeichnungen auf Papier komplettieren sein begehbares Bild.

Markus Lepper


www.jarmuschek.de/

 

 

 

19.01.2008 - 01.03.2008, Eröffnung 19.01., 18 Uhr
Charlotte Malcolm-Smith – Hieb und Stich

Ausstellungsende und Gespräch mit der Künstlerin sowie
Katalogpräsentation am 01.03. um 16 Uhr


Malcolm-Smith

Im Ausstellungsjahr 2008 untersucht und produziert der Kunstverein "begehbare Bilder". Den Auftakt der Reihe macht Charlotte Malcolm-Smith (*1966 in Edinburgh) mit einer Malerei-Installation. Sie nutzt den Kiosk als überdimensionale ,Strickliesel' und färbt ihn ein. Zur Ausstellung erscheint eine Edition!

Verena Kuni schrieb: "Charlotte Malcolm-Smith verbindet in ihren
Arbeiten unterschiedlichste Materialien und Techniken zu komplex
verflochtenen Erzähl-Gebilden."

Malcolm-Smith wurde in Edinburgh/Schottland geboren und studierte von 1986-88 in London bei Ian McKeever und von 1989-94 an der Städelschule in Frankfurt bei Christa Näher. Seit 1994 lebt und arbeitet sie in Berlin und Frankfurt.

 

 

2007:

quadrat03.11.2007–05.01.2008: Bénédicte Peyrat – Malerei

peyrat1

"Mit den Bildern hielt sie sich die Angreifer nicht bloß vom Leibe. Sie schlug sie damit zurück. Das jeweilige Bild diente ihr ebenso als Rüstung wie auch, sooft es um mehr ging als um friedliches Entwaffnen, als Waffe."
Peter Handke, Der Bildverlust, Frankfurt/Main: 2002, S. 102

Bénédicte Peyrat (*1967 in Paris) zeigt uns in ihren Bildern Frauen, Männer und Kinder, wobei die Grenzen gelegentlich fließend sind, außerdem Tiere und Gegenstände, die oft wie Attribute wirken. Doch wie sich die Bildbeigaben zu den abgebildeten Figuren verhalten, weshalb sich die Nackte einen Spiegel vors Gesicht hält und doch hinab zu den drei Hunden blickt, wem der ermahnende Zeigefinger einer Bekleideten oder der segnende Gestus einer Barbusigen gilt, bleibt offen. Auch ist nicht klar, ob es sich wirklich um eine Ermahnung handelt oder vielmehr um die Aufforderung "Komm her zu mir!" und demgegenüber die Segenshand auf dem anderen Bild doch sagen will: "Halt!".

http://www.rehbein-galerie.de/artist_works.php?artist=24



Markus Lepper: „Fleisch interessiert mich mehr als Haut“

Was ist gesagt, wenn ich über eine zeitgenössische Malerin schreibe, ihr Stil, ihre Malweise erinnere mich an Gustave Courbet oder Lucian Freud?

Nichts – oder zumindest nicht viel – es sei denn, ich führte die großen Namen nicht ins Feld, um die Unterschiedlichkeit der einzelnen malerischen Ansätze mit dem von Bénédicte Peyrat zu verwischen, sondern um eine wichtige Gemeinsamkeit zu verdeutlichen, dass nämlich in besagten Fällen mit Farbe modelliert wird.

Courbet malt einen nackten Busen, indem er unterschiedlich farbige Pinselstriche um einen rötlichen Punkt herum anlegt und schichtet, Freud türmt Fleischberge vor uns auf und massiert die Farbe gleichsam in die Körper auf der Leinwand ein. Auch Peyrat agiert in einem plastischen Sinn mit der Farbe, sie bildet ihre Figuren aus dünnen Farbschichten heraus, formt sie mit dem Pinsel, modelliert den Abstand zwischen ihrer Vorstellung vom Modell und dem Abbild auf der Bildtafel.

„Mit den Bildern hielt sie sich die Angreifer nicht bloß vom Leibe. Sie schlug sie damit zurück. Das jeweilige Bild diente ihr ebenso als Rüstung wie auch, sooft es um mehr ging als um friedliches Entwaffnen, als Waffe.“ (Peter Handke, Der Bildverlust, Frankfurt/Main: 2002, S. 102)

Bénédicte Peyrat zeigt uns in ihren Bildern Frauen, Männer und Kinder, wobei die Grenzen gelegentlich fließend sind, außerdem gibt es Tiere und Gegenstände, die wie Attribute wirken. Doch wie sich die Bildbeigaben zu den abgebildeten Figuren verhalten, weshalb sich die Nackte einen Spiegel vor das Gesicht hält und doch hinab zu den Hunden blickt, wem der ermahnende Zeigefinger einer Bekleideten oder der segnende Gestus einer Barbusigen gilt, bleibt offen. Auch ist nicht klar, ob es sich wirklich um eine Ermahnung handelt oder vielmehr um die Aufforderung „Komm her zu mir!“ und demgegenüber die Segenshand auf dem anderen Bild doch sagen will: „Halt!“.

Viele Rätsel begegnen mir in diesen Bildern – eigenartige Rätsel, weil ich sie gar nicht auflösen möchte. Giorgione und sein berühmtes Bild ‚Tempesta’ (um 1508) fallen mir ein. Als ich es einige Jahre nach meinem ersten Besuch in der Accademia in Venedig zum zweiten Mal eingehend studierte, war ich überrascht, wie wenig das Bild und meine Erinnerung daran übereinstimmten und wie neu und zeitgenössisch es mir erschien. Im Bestandskatalog ist zu lesen: „Offen für die Kunst nördlich der Alpen, der flämischen und der deutschen Malerei, Dürers im besonderen, wandte sich Giorgione bald einem naturalistischen Stil zu, wo die Farbe einen neuen Ausdruck erhält, der Mensch und Natur zu einem neuen, panischen Gefühl des Kosmos verbindet.“ (Francesco Valcanover, Die Galerien der Accademia, Venedig: 1996, S. 38.)

Außer einem kleinen gelben Blitz am Himmel, der wie ein Riss in der dunkelblau bemalten Leinwand sitzt, erregt vor allem die stillende Mutter, die mit ihrem Kind nur dürftigen Schutz hinter einem dürren Busch findet, mein Aufsehen. An Stelle der möglichen Repoussoir-Figur des Hirten am linken vorderen Bildrand, ist sie es, die scheinbar aus dem Bild heraus den Betrachter anblickt und alle Handlung (malerisch und szenisch gesprochen) zu einer Ungewissheit bündelt.

Peyrats Bild ‚Palma il Giovane’ handelt von Venedig. Im Titel zitiert sie Jacopo Palma den Jüngeren (um 1545 – 1628), einen Schüler von Tizian, der seit dem Tod von Tintoretto als der führende Maler Venedigs galt. Palma, ein nackter Junge, vielleicht auch ein kleiner Mann oder Gnom, präsentiert uns eine venezianische Gondel en miniature, ein Souvenir mit einem Gondoliere, der sein wegweisendes Ruder allerdings verloren hat.

Über der Szenerie ist ein kräftig kolorierter Himmel ausgebreitet und am Boden liegt eine überschaubare Menge von Kieselsteinen, darunter ein leuchtend roter Farbfleck – sehr viel Aufmerksamkeit für das, was gemeinhin als Hintergrund bezeichnet wird.

Rechts unterhalb der Bildmitte sitzt ein blau-gelber Papagei auf einer kreuzarmigen Stange. Womöglich kann er seinen Namen sagen oder er plappert „es regnet, es regnet“ als Reaktion auf einen Donnerschlag – doch er versteht nicht, was er spricht.

Ein Freund, mit dem ich die Malerei von Bénédicte Peyrat verhandelte, beschrieb mir seinen Eindruck, die Figuren in ihren Bildern hätten ein Gedicht auswendig gelernt: „Jedoch werde ich den Verdacht nicht los, dass sie sich weigern, es auszuspucken. Lieber lächeln sie verschmitzt, und behalten ihr Geheimnis, ihre Weisheit für sich.“ (Ernst Stark am 25.10.2007 in einem Brief an den Autor.)

Die Bilder sträuben sich vor einer thematischen Festlegung, ihr Inhalt lässt sich nur schwierig nacherzählen, ich verhake mich in bildnerischen Fakten: Tiere wie Schwein und Reh oder Gegenstände wie Vase und Monstranz begegnen sich zwar fremdartig, jedoch nicht undenkbar in einem Bildraum.

Bei Bénédicte Peyrat sind Figuren (Menschen und Tiere), Hintergründe und Gegenstände einzig aber deutlich durch diese Malerei miteinander verbunden.

In ihren Szenerien sind die Idylle und die Vorstellung eines sorgenfreien Lebens in Arkadien einer derben Schönheit und der schonungslosen Schilderung des Kreatürlichen gewichen. Nicht nur ihre Malweise, sondern auch die Behandlung der Figuren im Kontext akademischer Stile und Posen, ruft unser historisches Bilderwissen auf.

Peyrat reflektiert die historische Dimension der Aktmalerei von der Renaissance bis in die klassische Moderne. Doch letztlich verweist sie die Betrachter auf das Hier und Jetzt, denn ihre Frauen, Männer und Kinder sind auf eine Art be- und entkleidet, dass eine historische und soziale Klassifizierung unmöglich bleibt. Disparate Versatzstücke unserer Realität, die wie rote Kirschen an einem Kruzifix hängen.

 

08.09.–20.10.: Alke Reeh – Umfaltet – Skulptur und Installation



Alke Reeh (*1960 in München) zeigt ihre plastischen Arbeiten gerne im räumlichen Kontext mit Fotografien. Mit ihrer Arbeit »Röcke und Schnittmuster« thematisiert sie ein ähnliches Denken von Skulptur und Raum, von Innen und Außen. Ihre Figuren erinnern an Vasen oder antike Gewänder, doch sie lassen sich weder benutzen noch als textile Stoffe begreifen.

"In den figuralen Abstraktionen von Alke Reeh geht es um das Verhältnis von Körpervolumen und Raum, um die Kinetik des Körpers und schließlich um das Zusammendenken von textilen Motiven, die in der Falte des Stoffes und des menschlichen Körpers, in der Draperie eines Kleides und den Faltungen der Hirnrinde eine Verwandtschaft finden. In der Falte liegt das Potential für den Raum: Kompression und Expansion."

Es erscheint ein Katalog in Zusammenarbeit mit der Galerie Schütte, Essen, den wir an diesem Abend zum Vorzugspreis anbieten; außerdem liegt eine Edition auf.

http://galerie-schuette.de/Neu/ordner-kuenstler/reeh.htm

„Die Falte der Welt ist der Fächer. Und sobald er sich öffnet, lässt er alle Materiekörnchen auf- und niedersteigen, Aschen und Nebel, durch die hindurch man das Sichtbare wie durch die Löcher eines Schleiers wahrnimmt.“ (1)

Mit einer Vorrichtung sind die hüfthohen, unbehandelten Skulpturen der Serie Röcke und Schnittmuster (2001-04) von Alke Reeh nur wenige Zentimeter über den Boden gehoben, was ihnen Leichtigkeit und den Eindruck des Schwebens verleiht. Sieht man von oben in die Röhre hinein, so blickt man in eine eigene Welt, die mehr als die Innenseite einer Außenseite ist. Die Künstlerin zeigt diese Arbeiten oft im räumlichen Kontext mit Fotografien. Montierte, mit dem Computer bearbeitete Bilder, auf denen Frauen die Röcke tragen und außerdem quadratische Formate, die den Blick hinauf in Kirchenkuppeln und Moscheen oder von oben hinab in eine leere Tasse richten.

Als ich zum ersten Mal diesen Arbeiten von Alke Reeh begegnete, musste ich an Figuren von Oskar Schlemmer denken und seine Entwürfe für das Triadische Ballett (1922), mit denen er auf eine Demonstration raumplastischer Kostüme zielte. Jedoch haben im Unterschied zu den Figurinen von Schlemmer die Röcke von Alke Reeh nur dann einen Oberkörper, wenn er mittels Montage von der Künstlerin eingefügt wurde. Die Skulpturen und die Fotos ihrer fiktiven Benutzer behaupten eine enge Verbindung von Kleidung und Bekleidetem, von eingeschlossenem und ausgeschlossenem Raum.

Der Bildhauer und Bühnenbildner Oskar Schlemmer (1888 – 1943) thematisierte in seinen Werken ausdrücklich die Stellung der menschlichen Figur im Raum. Er war einer der wichtigsten Lehrer des Bauhauses in Weimar und nach der Übersiedelung 1925 nach Dessau leitete er die Bauhausbühne als eigenständige Abteilung und verfasste den grundlegenden Aufsatz ‚Mensch und Kunstfigur’, in welchem er den Anspruch allgemeingültiger Typisierung mittels Maskierung und Kostümierung formuliert: „Die Abstraktion der menschlichen Gestalt [...] schafft das Abbild in einem höheren Sinne, sie schafft nicht das Naturwesen Mensch, sondern ein Kunstwesen, sie schafft ein Gleichnis, ein Symbol der menschlichen Gestalt.“ (2)

So wirken die Röcke von Alke Reeh zwar sachlich kühl und menschenleer und verweisen dennoch auf den menschlichen Körper als Urheber der sichtbaren Formation.

Im Rahmen der Neupräsentation der Sammlung im Museum Kunstpalast Ehrenhof in Düsseldorf werden zwei Röcke und ein Plissee (2005) aus Gips und Stoff von Alke Reeh im räumlichen Verbund mit Malerei des Barock gezeigt. Porträts niederländischer Herren und Damen mit üppigen Halskrausen und das Bildnis zweier junger Mädchen in kegelförmigen Reifröcken modifizieren das Prinzip der Falte und wirken wie Prototypen für die Skulpturen. Oder umgekehrt, als habe Alke Reeh aus dem großen Fundus der Kunst jene Strukturen aus den barocken Figurendarstellungen isoliert, um eine ‚optimale Faltung’ zu generieren.

Die Halskrause entstand bereits im 16. Jahrhundert und war in der Regel aus gestärktem Leinentuch gefertigt, das mit einer Brennschere röhrenförmig gerollt wurde. In der bürgerlichen Kleidung der Niederlande hielt sich die Krause lange Zeit auch als Bestandteil von Amtstrachten. Die Stilisierung der Körperformen, welche in den adeligen und bürgerlichen Porträts der Rubenszeit ablesbar sind, die im Museum Kunstpalast hängen, bilden die Brücke zur Formalisierung der Figuren, wie sie auch für das Werk von Alke Reeh spezifisch sind. Es ergeben sich ganze Reihe motivischer und formaler Bezüge aus dem Kontext der neuen Skulpturen von Alke Reeh und jener Malerei, die man als kontinuierliche Faltungen bezeichnen könnte.

In seinem philosophischen Werk Die Falte (1988) qualifiziert Gilles Deleuze den gefalteten Raum als Charakteristikum des Barock. In Skulptur, Architektur, Malerei und der Mode dieser Zeit sieht er ein neues Verhältnis zu den traditionellen Kategorien und Wahrnehmungsprinzipien der klassischen Sehordnung begründet – zum Beispiel Vertikal und Horizontal, Innen und Außen, Figur und Grund. „Der Barock entwirft sich allerdings nicht nur in seiner eigenen Mode. Er projiziert zu allen Zeiten und überall die tausend Falten der Kleidung, die dahin tendieren, ihre jeweiligen Träger zu vereinigen, deren Haltungen zu entgrenzen, ihre körperlichen Widersprüche zu überwinden und aus ihren Köpfen Schwimmer zu machen.“(3) Mit Röcke und Schnittmuster thematisiert Reeh ein ähnliches Denken von Skulptur und Raum, von Innen und Außen. Formal bezieht sie sich auf das Schnittmuster des menschlichen Körpers, dessen Konturen, Wölbungen und Faltungen den Gipsskulpturen zu Grunde gelegt sind. Sie erinnern an Vasen oder antike Gefäße, doch sie lassen sich trotz ihrer textilen Metapher nicht als Gewand oder Gewebe begreifen, denn sie sind starr und lassen sich nicht entfalten. „Die unendliche Falte trennt oder verläuft zwischen Materie und Seele, zwischen Fassade und geschlossenem Raum, dem Äußeren und dem Inneren.“ (4)

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In den figuralen Abstraktionen von Alke Reeh geht es um das Verhältnis von Körpervolumen und Raum, um die Kinetik des Körpers und schließlich um das Zusammendenken von textilen Motiven, die in der Falte des Stoffes und des menschlichen Körpers, in der Draperie eines Kleides und den Faltungen der Hirnrinde eine Verwandtschaft finden. In der Falte liegt das Potential für den Raum: Kompression und Expansion.

(Markus Lepper, Auszug aus dem aktuellen Katalog)


(1) Gilles Deleuze, Die Falte, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1996, S. 54.

(2) Aus einem Vortrag Schlemmers vom 26.10.1930, zit. nach Ausst. Kat. Stuttgart, Essen 1993/94, S. 210.

(3) Gilles Deleuze, Die Falte, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1996, S. 197.

(4) Gilles Deleuze, Die Falte, Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1996, S. 62.



Künstlergespräch: Sonntag, 20.10.2007, 11 Uhr


04.08.–26.08.: Sarah Schoderer – Ferienprogramm



Im Urlaubsmonat August findet zum zweiten Mal das Ferienprogramm im Kunstverein statt. Junge Künstlerinnen und Künstler, die sich noch in Ausbildung befinden, sind eingeladen, den ehemaligen Kiosk zu bespielen. Diesmal ist Sarah Schoderer (*1984) zu Gast, die eine Wandmalerei realisieren wird.

 

 

02.06.–21.07.: Lois & Franziska Weinberger – Feldarbeit I (Home Voodoo)
Eröffnung: 02.06.2007 · 18 Uhr



Im ehemaligen Kiosk an der Licher Gabel werden die beiden österreichischen Künstler Lois (*1947) und Franziska Weinberger (*1953) ihren Ausstellungszyklus ‚Feldarbeit’ beginnen.

Wissenschaftliche Recherche und künstlerische Gestaltung durchdringen einander in ihren Arbeiten. Das große Feld des Natürlichen und Kreatürlichen wird in Installationen, Zeichnungen, Anpflanzungen und Sammlungen neu organisiert. Bei ‚Home Voodoo I’ wurden rituelle Handlungen an einem Schneemann (als Voodoo-Puppe) vollzogen:

„Das Haupt des Schneemannes wird mit einer Wurzel des Straußenfarns bedeckt. Mit dieser Pflanze, die vor allem in gebirgigen Gebieten vorkommt, verbindet sich ein Aberglaube, denn nur in der Johannisnacht, wenn der Farn blüht, können die Samen gesammelt werden, sie bringen Glück und helfen, für den Teufel unsichtbar zu sein.“ (Eva Maria Stadler)

Die Ausstellung endet mit der ‚Langen Nacht im botanischen Garten’ am 21. Juli 2007. In einem Gewächshaus wird Dr. Annelie Pohlen (Bonn) einen Vortrag über Künstler und Gärten halten.

‚Feldarbeit II’ wird am 22. November im Rahmen des Projektes ‚Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst‘ in der Kunsthalle Gießen eröffnet. Neben einer großen Wandarbeit wird das Gartenarchiv der Weinbergers dem ‚Hortus Eystettensis’, einem im Jahr 1613 erschienenen prachtvollen Pflanzenbuch, gegenüber gestellt.

www.loisweinberger.net

www.uni-giessen.de/~g81160/projekt01/index.php?idcat=2

 

14.04.–26.05.: Eva-Maria Schön – Gesetz vom Minimum
Eröffnung: 14.04.2007 · 18 Uhr



Die Berliner Künstlerin Eva-Maria Schön (geb. 1948 in Dresden) ist eine Grenzgängerin zwischen den Medien Fotografie, Malerei, Zeichnung, Installation und Performance. Von 2000 bis 2001 war sie Inhaberin der "Gastprofessur Kunst" am Institut für Kunstpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zum 400-jährigen Jubiläum der Universität zerlegt sie im Kiosk des Neuen Kunstvereins Gießen die Welt in ihre kontinentalen und maritimen Bestandteile, um sie sodann in künstlerischer Paraphrase von Justus Liebigs "Gesetz vom Minimum" auf neue Weise zusammenzusetzen. Eva-Maria Schön entwickelt mit dieser Ausstellung ein Installationsprojekt weiter, das sie 2006 an den Kunsthochschulen Peking und Wuhu (China) realisierte.


Künstlergespräch: 15. April 11.00 Uhr

www.evamariaschoen.de

 



Andreas Walther
– vom hier und da sein
03.02. – 31.03.2007


Andreas Walther, geb. 1971, arbeitet ausgehend von der Fragestellung "Medienkunst?" über Funktion, Struktur und Bedeutung des Medialen in Kunst und soziokulturellen Kontexten in kulturübergreifendem Kontext. Seit 2001 bereist er das Ausland, vornehmlich China und Taiwan, daneben Indien und  Japan und arbeitet in diesem Zusammenhang über Grad und Struktur der "Medialisierung" der verschiedenen Länder.

Seit 2004 portraitiert Andreas Walther Familien in verschiedenen Ländern auf immer gleiche Weise: In einen fotostudioähnlichen Raum, den der Künstler an jedem Aufnahmeort identisch einrichtet, nimmt jede Familie für 10 Minuten vor einem breiten Spiegel platz. Ohne währenddessen miteinander zu sprechen, kommunizieren die Familienmitglieder schließlich doch gestisch und mimisch miteinander. Durch ein Loch, das in den Spiegel geschnitten ist, nimmt eine Videokamera die Familie für den gesetzten Zeitraum auf. Der Künstler ist während der Aufnahme nicht im Raum anwesend.
Auf Basis einer zugespitzten Konfrontation medialer und intimer Qualitäten (neben Spiegel und Kamera wird hier auch Kunst als Medium verstanden), zeigen die Portraits, in welcher Weise sich die aufgenommenen Familien voneinander unterscheiden (Einmaligkeit jeder familiären Konstellation, Einfluß der unterschiedlichen soziokulturellen Kontexte), dann aber auch, wie sie andererseits einander ähneln und gleichen (Körpersprache, Konstellation des Familiären im Allgemeinen).

Neben Familienportraits aus Deutschland, China, Indien und Taiwan zeigt Andreas Walther im Neuen Gießener Kunstverein auch die Arbeit "...zu sehen, daß ich hier bin...". Die 74-minütige Arbeit stellt die Orte Binz auf Rügen und Danshui auf Taiwan zur Zeit der Abenddämmerung vor. Bildlich und akustisch in einer Doppelprojektion nebeneinandergestellt, verbindet die Arbeit spielerisch zwei Orte mit völlig unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten, Atmosphären und Gepflogenheiten.

www.awa-online.info

www.family-portraits.net

http://giessen-server.de/beitrag500.html


Mediale Präsentation und Künstlergespräch
in Zusammenarbeit mit den »Kulturzeugen«:
23. Februar 2007, 19 Uhr, Bleichstr. 28

 



2006:


Manfred Stumpf – in memoriam Bernd Growe
18.11.2006–20.01.2007

Dem 1992 im Alter von 42 Jahren verstorbenen Kunsthistoriker Bernd Growe, der von 1979–1990 an der Justus-Liebig-Universität als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Hochschulassistent tätig war, widmet Manfred Stumpf (*1957) seine Ausstellung. Growe und Stumpf waren einander wichtige Gesprächspartner – insbesondere für das Projekt ‚Palm‘, eine Installation aus 21 rot gefärbten, zehn Meter hohen Palmzweigen aus Fichtenholz, die 1987 zwischen den Autobahnabfahrten Alsfeld-Ost und Alsfeld-West ‚gepflanzt‘ wurden.
„In den Zeichnungen Stumpfs taucht immer wieder der Palmwedel auf, der auch aus der Serie ‚Einzug aus Jerusalem‘ bekannt ist. In der Bibel befördert der Palmzweig das Auftreten Christi: Er ist Sinnbild für die ununterbrochene Gegenwart des möglichen und realen Schrittes in die Zukunft.“ (Gabi Czöppan)

In Zusammenarbeit mit dem Projekt "Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst" in der Kunsthalle und der Evangelischen Propstei Oberhessen (siehe unten).


Kunsthalle Gießen

Manfred Stumpf: Laserschnitte und neue Zeichnungen
Unter dem Titel „Der Goldene Schritt“ werden gleich an drei Orten Werke des aus Alsfeld stammenden Künstlers Manfred Stumpf zu sehen sein.

Stumpf studierte an der Frankfurter Städelschule, der Cooper-Union New York und der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. 1989 erhielt er ein Stipendium der Villa Massimo in Rom. Es folgten Ausstellungen u.a. in Tokio, Jerusalem und New York. Heute ist Stumpf Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach.

Manfred Stumpfs bevorzugtes Medium ist die Zeichnung. Sein zentrales Thema ist die Religion. Religiöse Motive werden durch die isolierte Darstellung einzelner Elemente, Variation und Kombination mit Zeitgenössischem auf ihre Grundsubstanz hin überprüft und erforscht. Stumpfs letztes großes Ausstellungsprojekt liegt bereits fünf Jahre zurück. Man darf also gespannt sein auf die neuen Arbeiten, die für die Ausstellung in der Kunsthalle entstanden sind.

Eröffnung: 18.11.2006, 18 Uhr
Dauer: 18.11.2006–07.01.2007
Ort: Kongresshalle, Berliner Platz 2
Geöffnet: Di–Sa 10–16 Uhr; Mi 10–20 Uhr; So 10–13 Uhr

http://kunstgeschichte-zeitgenoessischekunst.de




Evangelische Propstei Oberhessen

Manfred Stumpf: Triptychon

Für die Evangelische Propstei Oberhessen gestaltete Stumpf ein Triptychon mit einem ‚Einzug in Jerusalem‘, einer Abendmahls- und einer Auferstehungs-Szene sowie eine Christus-Skulptur. Beide Werke werden sich ab dem 18. November dauerhaft in der Propstei befinden. Ein vergoldetes Facettenkreuz von Manfred Stumpf hängt bereits seit dem Frühjahr 2006 seitlich über dem Eingang der Propstei.

Eröffnung: 18.11.2006, 17 Uhr
Dauer: 18.11.2006–07.01.2007
Ort: Lonystr. 13
Geöffnet: Mo–Fr 8.30–13 Uhr (Bürozeiten der Propstei)



APERO 2006
Gruppenausstellung (de)zentral – acht plastische Ansätze
02.09. – 03.10.2006



Neuer Kunstverein Gießen
zu Gast in der Alten UB (Bismarckstraße 37), Eröffnung 19 Uhr
„(de)zentral“ – Heather Allen, Karsten Bott, Martin Brüger, Margarete Hahner, Dirk Krecker, Gregory Maass & Nayoungim, Peter Rösel, Nicole Wermers
Gruppenausstellung: Acht plastische Ansätze

Führungen:
Sa, 15 Uhr u.n.V.
Die Arbeit von Gregory Maass & Nayoungim im Kiosk des Kunstvereins (Licher Str./Ecke Nahrungsberg) ist samstags zugänglich.

Eröffnung:
02.09.2006, 19 Uhr im Rahmen von APERO
Grußwort: Dr. Reinhard Kaufmann (Kulturdezernent Gießen)
Einführung: Markus Lepper (Neuer Kunstverein Gießen)
Bar: Hansam (Gießen am Meer)

Party:
02.10.2006, 19 Uhr
„Narzissen“ – Lesung mit Musik von Gabi Schaffner (Hamburg)
Bar: Hansam (Gießen am Meer)



„Der Horizont ist nur erweiterbar durch Verlegung des Blickpunktes, durch Progression auf das Unbekannte zu. Auf diese Weise kommt es zu einer perspektivischen Drift in Richtung auf das Andere der Grenze, zu einem scheinbaren Dezentrieren der Zentrierung.“ (Albrecht Koschorke)

Mit dem Adjektiv „dezentral“ wird eine räumliche oder temporäre Organisationsform bezeichnet, bei der wichtige Funktionen nicht von einem Zentrum aus erfüllt werden, sondern räumlich oder funktional ausgelagert sind. Der Neue Kunstverein Gießen hat sich mit dieser Ausstellung temporär in den ehemaligen Zeitschriftenlesesaal der Alten Universitätsbibliothek hinein erweitert und behält sein Herz doch im einstigen Kiosk an der Licher Gabel. Dort füllt eine Holzskulptur von Gregory Maass und Nayoungim den Innenraum völlig aus und macht die Dependance in der Bismarckstraße erforderlich.
Martin Brüger und Dirk Krecker nehmen auf unterschiedliche Weise Elemente der Architektur auf und reflektieren sie in ihren Skulpturen. Heather Allen und Margarete Hahner sind der menschlichen Figur verpflichtet, während Karsten Bott Versatzstücke der Realität vor uns ausbreitet. Nicole Wermers und Peter Rösel sind mit Arbeiten aus der Sammlung des Museums für Moderne Kunst (Frankfurt/M.) vertreten und variieren klassische Vorstellungen von Interieur und Landschaftsbild.
Was die plastischen Werke miteinander verbindet, ist ein starker räumlicher Bezug, der nicht durch materielle Wucht, sondern vielmehr durch subtile Strategien und Bezugnahme auf architektonische Besonderheiten des Ortes entsteht.
Mein besonderer Dank gilt der Hessischen Kulturstiftung, ohne deren Unterstützung das Projekt nicht zustande gekommen wäre, und Herrn Beck vom Dezernat E 1.2 (Liegenschaften, Bau und Technik) der Universität Gießen, der das Ausstellungsvorhaben von Beginn an freundlich unterstützte.

Markus Lepper
Neuer Kunstverein Gießen

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>> zu den Künstlern




"Wangenheim von Straßburger: Du hast die Haare schön"

Eröffnung: 5. August 2006, 16 Uhr



Henning Straßburger, Berlin
Philipp von Wangenheim, Frankfurt/M.

Dauer der Ausstellung: 5. - 26. August 2006

Es spricht: Prof. Dr. Christian Janecke
Musikdirektion: Brian Uzna

Ferienprogramm
"Wangenheim von Straßburger: Du hast die Haare schön"

Der August im Neuen Kunstverein Gießen wird künftig heiß - endlich gibt es ein Ferienprogramm in Gießen! Während wie gewöhnlich alle Kultureinrichtungen augustens ihren Winterschlaf halten - denn erst im September wird wieder der Saisonstart eingeläutet - wartet der Neue Kunstverein Gießen mit einer Programmerweiterung auf. Im Neuen Kunstverein Gießen findet unter diesem Begriff der Auftakt zu einer ganz neuen Reihe statt. Im Urlaubsmonat August soll ein experimentelles Programm möglich werden, als Zugabe zu den fünf jährlich stattfindenden Ausstellungen. Unter dem freizeitlichen Motto "Ferienprogramm", sollen Künstler den ehemaligen Kiosk am Alten Friedhof so bespielen, als gelte es den nächsten Urlaub zu planen: Wo geht es hin? Wer kann sich das leisten? Aber vor allem: Nicht schon wieder Italien.

Henning Straßburger (Berlin) und Philipp von Wangenheim (Frankfurt/M.) eröffnen dieses Jahr das Ferienprogramm mit ihrer Ausstellung "Wangenheim von Straßburger: Du hast die Haare schön". Beide studierten Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach/M. bei Prof. Adam Jankowski, bevor Straßburger an die Universität der Künste (Berlin) zu Daniel Richter wechselte und sich ihre Wege trennten. In künstlerischer Hinsicht gehen die beiden aber weiterhin gleiche Wege: die Tätigkeiten als Musiker, die Beschäftigung mit der Malerei, dem Zeichnen und fotografischen Arbeiten sind formale Äquivalente. Doch gerade die Differenzen in der ästhetischen Wirkung, inhaltlichen Auseinandersetzung und klanggebenden Äußerung sind es, die eine Gegenüberstellung der beiden Künstler lohnend macht.

Die Arbeit an der Leinwand ist für Straßburger Motor und Hauptanliegen. Zeichnungen und Fotografien sind hierbei Bringdiener zum malerischen Werk: er lässt diese drei Elemente in Eines verschmelzen. Diese Arbeitsweise ermöglicht es ihm, erlebte Momente und durchdachte Thesen in fragmentartiger Zusammenstellung zu präsentieren. Die Figuren in seinen oftmals skurrilen Szenerien, beschreiben hierbei exemplarisch die Gesellschaft mit ihrer in Orientierungslosigkeit und im Wertechaos badenden Jugend.

Für Philipp von Wangenheim wiederum existieren Malerei, Zeichnung und Fotografie stets gleichberechtigt nebeneinander. Auch wenn sie in einem Ensemble gleich beieinanderstehen, so bleiben sie doch getrennt und als individuelle Kräfte bei sich selbst. Es entsteht ein Dialog zwischen den Arbeiten - zu denen er auch seine Texte zählen -, vergleichbar mit Musikern einer Band, die als Individualisten einen Gesamteindruck erzeugen.
Straßburger ist Orchesterposaunist und Dirigent, von Wangenheim experimentiert hingegen als Multiinstrumentalist in den Bereichen Pop-, Punk-, und Elektromusik. Die scheinbare musikalische "Unvereinbarkeit" wird während der Ausstellung überprüfbar gemacht, durch die von Brian Uzna zusammengestellte Komposition aus Aufnahmen der Künstler, die - ganz ähnlich dem installativen Aufbau der Ausstellung - nach der Aufmerksamkeit und Neugier des Besuchers verlangen.

Die räumliche Trennung der ohnehin kleinen Ausstellungsfläche durch einen Bretterzaun, lässt die Gegenüberstellung Straßburgers und von Wangenheims zur "Totalen Installation" mutieren. Die ganze Ausstellung changiert zwischen der seriösen Hochkunst und der Trashkultur; dem Besucher ist selbst überlassen, auf welche Ebene er sich einläßt.
Und da wird zumindest eines klar: die Reise des neuen Kunstverein-Ferienprogramms führt dieses Jahr wirklich nicht nach Italien.

Es erscheint eine Publikation.


Stadtraum.org: „Licher Gabel“

Vortrag: 16. Juni, 18 Uhr im Margarete-Bieber-Saal (Ludwigstr. 34)
Eröffnung: 17. Juni, 18 Uhr im Kunstverein

>> Download des Vortrags (PDF 76,2 KB)


Foto: Dagmar Klein

“Die Grenzen eines Blicks auf öffentliche Kunst sind ihm, dem Blick immanent: das Kriterium der Sichtbarkeit ist das große Dilemma öffentlich und ganz besonders auch privat initiierter Kunst im Stadtbild: Alles, was nicht bildfähig im Sinne einer auch medialen Verwertbarkeit ist, findet entweder gar nicht erst statt oder hinterlässt keine Spuren im kollektiven Gedächtnis - was im Grunde dasselbe ist.“
(Andrea Knobloch)

Stadtraum.org ist ein gemeinsames Projekt von Markus Ambach (*1963) und Andrea Knobloch (*1961). Seit der Gründung im Jahr 2002 bearbeiten sie das Themenfeld Kunst in öffentlichen Räumen bzw. im stadtgesellschaftlichen Kontext.
Gefragt wird nach einer Kunst, die sich verantwortungsvoll als Teil des Öffentlichen neu entwirft und in diesen politischen Raum einschreibt.

Für die Ausstellung im Neuen Kunstverein Gießen haben sich Ambach und Knobloch mit der Geschichte des benachbarten „Greifen-Denkmals“, das im letzten Jahr zu einem Mahnmal umgewidmet wurde, beschäftigt. Dieser Ort spiegelt Meinungen und Kontroversen innerhalb der Stadtgesellschaft exemplarisch wider, die sich hier von Generation zu Generation mit gestalterischen und inhaltlichen Kommentierungen immer wieder neu positioniert hat.
Stadtraum.org liefern mit ihrer Arbeit im Kunstverein einen Beitrag zum Gespräch und fügen den vorhandenen Kommentaren eine weitere – künstlerische – Sichtweise hinzu.

http://foreverart.at/de/index.php?/gallery/image_full/89/

 

Julia Oschatz EREHWON
Eröffnung: 8. April 2006, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 8. April – 20. Mai 2006




“Es geht nicht darum zu glauben, daß man ein Wolf ist, oder darum, sich selber als Wolf darzustellen. Der Wolf, die Wölfe, das sind Intensitäten, Geschwindigkeiten, Temperaturen, unteilbare, variable Abstände.”

(Felix Guattari, Gilles Deleuze, Tausend Plateaus, 1992)

Ein geschlechtsloses, graues, augenloses Wesen spielt die Hauptrolle im medial verwickelten Werk von Julia Oschatz (* 1970). Malerei, Video und Objekte verdichten sich zu geheimnisvollen, zuweilen undurchdringlich wirkenden Installationen, in denen diese Figur agiert: Sie wandert durch gemalte Landschaften, sitzt in einer Höhle, verwandelt sich in einer Knet-Animation, legt sich über die Künstlerin, die in dieser zweiten Haut ihre Video-Performances macht.

Es werden Erinnerungen an phantastische und mythologische Erzählungen wach, die man als Jugendlicher (oder immer noch) mit einer Mischung aus Angst und Spannung verfolgt hat.

In den Bildwelten der Künstlerin wird nicht die idyllische, sondern die wahre Seite der Romantik, die nach dem Kreatürlichen zwischen Natur und Kunst fragt, deutlich. „Die Wesen sind keine Stellvertreter für Mensch oder Tier“ so die Künstlerin, „sondern Gespenster der Gegenwart, die nicht etwa das Bild, den Film, das Objekt beherrschen oder bestimmen, sondern in die missliche Lage geraten sind, sich innerhalb eines Kunstobjektes wieder zu finden.“

In Gießen wird auch die Nachbarschaft des Kunstvereins zum Alten Friedhof die Materie der Ausstellung mitbestimmen. Der Ort zwischen gestern und morgen wird befragt. Der Ort, an dem man sich aufhalten muss, um über die Kunst von Julia Oschatz etwas zu erfahren und über den man nichts mehr weiß, sobald man ihn verlassen hat. „Wenn der Betrachter will, wird er eingeschlossen und vom Raum verschluckt. Auch das ist so eine Art plötzlicher Ortswechsel.“

www.julia-oschatz.de

Filmabend „Walpurgisnacht“: 30. April 2006, 19 Uhr

Ein Abend mit der Künstlerin in Zusammenarbeit mit „Kulturzeugen“ e.V., Bleichstraße 28. Filme, Musik, Speisen und Getränke zum Thema.


seit 2003 – 2005:

Neuer Kunstverein Gießen Ecke Licher Straße / Nahrungsberg

Klaus Schneider blind date

Ian Anüll KGB

Ingke Günther & Jörg Wagner
Heute empfehlen wir

Thomas Vinson
rot – schwarz – weiß

Gerhard Martini
Lack auf Blech

Eckhard Etzold
Die Ewigen Jagdgründe

Lucie Beppler
Zeichnungen Fotografien

Tamara Grcic
Im Wasser

Barbara Isabella Bauer-Heusler
Schwarm

Thomas Kellner facades

Birgit Werres
#8/91

1999 – 2000:

Neuer Kunstverein Gießen im Liebigmuseum

Leopold Schropp Wächter

Adrian Schiess
Aquarelle

Frank Wurzer

Marko Lehanka
Der Waas-Komplex

Cécile Hummel
luoghi memorie

Heinz Brand
gold light district