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Das Jahresprogramm 2009 hier als Download (PDF | 640 KB)

Öffnungszeiten: Sa 14–17 Uhr u.n.V.

 

Jáchym Fleig | Deckenrelief
23.01.–12.03.2010 | Eröffnung: 23.01.2010 | 18 Uhr

       Künstlergespräch: 07.03.2010, 15 Uhr


fleig


Jáchym Fleig ist ein Bildhauer, der reagiert. Wuchernd antwortet er auf architektonische oder räumliche Situationen, stets fügt er zu Vorhandenem etwas dazu. Seine biomorphen Gebilde besetzen vorgefundene bauliche Substanz und nutzen sie – pilzartigen Schmarotzern gleich – als Träger oder Wirt. Die Symbiose aus invasiver Skulptur, die sich auf architektonischem Bestand niederlässt, an ihn anflanscht, ihn befällt, aus ihm herauswächst oder dort ausblüht, führt zu Irritationen. Das Erscheinungsbild und der Charakter  von Gebäuden oder Räumen werden – ebenso wie die künstlerische Autonomie des sich ausbreitenden Besetzers –  hinterfragt. Für seine skulpturalen Eingriffe nutzt der Künstler profane Baumaterialien, aus denen er organische Formen und Flächen zurückgenommener Farbigkeit generiert.

Im Ausstellungsraum des Gießener Kunstvereins ist die Decke von Fleigs „parasitärem Kunstbefall“ (Tarek Stachelhaus) betroffen. Dieser blüht als abstrakte Struktur – als merkwürdiger Bewuchs changierend zwischen schmückendem Stuckornament und schimmeligem Flor – bis in den Außenraum aus. „Ich mache abstrakte Konstrukte“, sagt Jáchym Fleig, der mit jeder plastischen Antwort auf gegebene Realitäten immer wieder auf der Suche nach der richtigen ortsspezifischen Form ist. In Gießen nimmt er neben dem konkret räumlichen auch Bezug auf den historischen Kontext der ehemaligen Kiosk-Toilettenanlage aus den 1930er Jahren. Hier scheint ein Teil unheilvoller Geschichte wieder wie Nässe durchzuschlagen. Einem Kontrastmittel gleich zeigt das Deckenrelief quasi in der zweiten Schicht zeichenhafte Spuren, die mit einem Blick zum gegenüberliegenden „Greifen-Denkmal“ wie ein Schattenriss lesbar werden.

Ingke Günther

www.jachymfleig.com

 

Sabina Kaeser & Thomas J. Hauck | Das Archiv
14.11.2009–09.01.2010 | Eröffnung: 14.11. | 18 Uhr


Sabina Kaeser (*1973, lebt in Zürich) und Thomas J. Hauck (*1958, lebt in Berlin) schaffen Raumbilder von absoluter Poesie. Das Archiv reagiert mit rotem Faden auf vorhandene Örtlichkeiten und stellt Bezüge zwischen Außen- und Innenräumen her. Die Gießener Installation wird unter Einbeziehung der Umgebung speziell die Kiosk-Situation thematisieren und mittels Faden und Zeichnungen auf die Bündelung von Wegen und Räumen durch Kioske eingehen.

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San Keller | RS     KPRSGB
03.10.–07.11.2009 | Eröffnung: 03.10. | 18 Uhr

Die Audioinstallation am Kunstverein ist jederzeit zugänglich.
Vortrag von San Keller: 28.10.09, 20.00 Uhr
im Institut für Theaterwissenschaften, Gießen

keller

„RS     KPRSGB“
Der aus der Schweiz stammende Künstler San Keller wurde mit ephemeren aber eindrücklichen Performances im öffentlichen Raum, die auf Partizipation angelegt waren, international bekannt. Nun widmet er sich seit einiger Zeit dem Ausstellungsbetrieb. Äußerst aufmerksam registriert er dort, was um ihn passiert, reagiert „wie ein Seismograph“ (Dolores Denaro, in: Kat.Ausst. Show Show) auf die Spielweisen des Kunstsystems, auf deren Ausstellungsorte, vorbereitende Gespräche, die Besucher und das dort agierende Kunstpersonal. Punktgenau und hintergründig formt er daraus seine Arbeiten, thematisiert „seine eigene künstlerische Laufbahn, die Beziehungen und Hierarchien im Kunstbetrieb“ (ebd.) sowie ortsspezifische Gegeben- oder Verfasstheiten.
Waren seine früheren Arbeiten der Kunst als Dienstleistung zuzuschreiben, spannt San Keller nun gerne andere für seine Kunst ein. Im Neuen Kunstverein Gießen, einem noch relativ jungen und auf Wachstum ausgerichteten Verein, schickte er den Vorstand und engagierte Mitglieder hausieren. Unangekündigt und im Schichtdienst ging jeweils ein Vereinsmitglied in Begleitung des Künstlers von Tür zu Tür und warb unter den Gießener Bürgern neue Mitglieder. Wer sich bei dieser ungewöhnlichen Klinkenputz-Aktion des Kunstvereins spontan überreden ließ, noch an der Tür eine Mitgliedschaft zu unterschreiben, bekam von San Keller aus seinem Ausstellungsbudget das erste Jahr Mitgliedschaft geschenkt. Aus den Anfangsbuchstaben der ersten zehn neu geworbenen Mitglieder setzt sich nun der aktuelle Ausstellungstitel zusammen. Die Leerstelle im Titel steht für zwei Mitglieder, die noch am selben Tag wieder ausgetreten sind.
Das Werben der Hausierer ist nun als permanente Audioinstallation am Kunstverein zu hören. Um die Antworten der Neumitglieder beschnitten spricht der Kunstverein nun quasi ununterbrochen für sich selbst. Auf sehr individuelle Weise versucht er wortreich davon zu überzeugen, dass die Arbeit des Kunstvereins für das kulturelle Leben der Stadt wichtig und eine Mitgliedschaft deswegen sinnvoll ist. Verspiegelte Fensterflächen halten das Publikum bei dieser Installation vor der Tür des Kunstvereins – der Eintritt bleibt verwehrt  und das Kunsterlebnis allein auf das Zuhören beschränkt.

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

 

 

Katja von Puttkamer | Stadt x erin
15.08.–19.09.2009 | Eröffnung: 15.08. | 18 Uhr

Die Künstlerin arbeitet vom 7.–13. September vor Ort.

Einführung: Dr. Sonja Müller
Künstlergespräch: 13. September 2009, 15 Uhr



Als subjektive Erfahrungszone erforscht die Malerin Katja von Puttkamer den Gießener Stadtraum und nähert sich ihm mit dem Blick einer Fremden. Auf Stadttouren zu Fuß hat Puttkamer im Vorfeld der Ausstellung urbane Eindrücke filmisch und fotografisch festgehaltene. Die so gesammelten Bilder nutzt sie anschließend als assoziative Bildauslöser und wertet sie malerisch aus. Ihr Interesse liegt dabei vor allem an den Details der durch die Nachkriegsarchitektur geprägten Stadtlandschaft und den gerne übersehenen Nischen des urbanen Neben- und Übereinanders.

Nicht ein minuziöses Kopieren ihrer Vorlagen ist Puttkamers malerisches Anliegen, sondern eine persönliche Annäherung an Ausschnitte von städtischem Gefüge. In mehreren Malgängen findet sie ihre Bilder durch schichtweise Übermalungen mit Ölfarbe auf Holztafeln -- sie vereinfacht, lässt weg, verdichtet. Dabei entstehen flüchtig anmutende Bilder, die sowohl Abbildung von Stadt und gleichzeitig ihre Lösung sind und zwischen Wiedergabe und Abstraktion pendeln.

Auf der Suche nach adäquaten "Gehäusen" für ihre Malerei denkt Katja v. Puttkamer ihre Ausstellungsräume häufig mit und formt sie installativ um. Im Neuen Kunstverein Gießen setzt sie ihre Bilder in den komplett mit Zeichenpapier ausgeschlagenen Ausstellungsraum. Ein fragiler, papierner Raum im Raum entsteht, der der Künstlerin als Präsentations- und Arbeitssituation dient. In kleinen Ausschnitten gibt sie den sonst großzügigen Fensterblick frei und provoziert mit dieser Ausschnitthaftigkeit Wechselwirkungen zwischen neu "eingekleidetem" Realraum, gemalten Stadträumen und dem bebauten Umfeld in unmittelbarer Nachbarschaft.

In der Zeit vom 7. bis 12. September wird die Malerin den Kunstverein als Atelierraum nutzen und vor Ort ihre urbane Bildersammlung um kleinformatige Gouachen auf Bütten erweitern. So wird sie das Außen bildnerisch sukzessive nach Innen getragen und die Ausstellungssituation im Arbeitsprozess verändern.

Zur Eröffnung erscheint eine Kaltnadelradierung als ortsspezifische Edition.

 

zwölfeinhalb
04.06. und 18.06.2009 | 18 Uhr
      
Kunsthalle Gießen in der Kongresshalle · Berliner Platz 2

Kunsthalle
Foto: Scott Budzynski

Die Einladung hier als Download (PDF | 470 KB)

zwölfeinhalb ist nicht die dreizehnte Ausstellung des Projekts ‚Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst‘.
Zum Abschluss des Projekts ‚Kunstgeschichte und zeitgenössische Kunst’ und am Ende der Nutzung der Ausstellungsräume in der Kongresshalle als städtische Kunsthalle lenkt zwölfeinhalb vielmehr den Blick auf diese Räume selbst. zwölfeinhalb ist damit eine Hommage an Sven Markelius (1889–1972), den Architekten der 1966 als ‚Bürgerhaus‘ eingeweihten Kongresshalle. Aus aktuellem Anlass nimmt zwölfeinhalb aber auch die Gelegenheit wahr, eine Standortbestimmung vorzunehmen und eine breite öffentliche Diskussion über den Stellenwert der zeitgenössischen bildenden Kunst in Gießen in Gang zu setzen.

Kongresshalle
Bürgerhaus Gießen (1962-1966)

Donnerstag, 4. Juni 2009 | Geöffnet ab 18 Uhr

20 Uhr
Marcel Baumgartner
Begrüßung und Einführung

Scott Budzynski | Kunst- und Architekturhistoriker (Gießen/Berlin)
Eine neue Stadtkrone. Zur Bedeutung und zum Kontext des ‚Bürgerhauses Gießen‘ von Sven Markelius

22 Uhr
Strange Movie Club presents: Berlin Babylon
D 1996–2001 | 87 Min. | Regie: Hubertus Siegert | Soundtrack: Einstürzende Neubauten
Das Drama des Städtebaus in Berlin nach der Maueröffnung


Donnerstag, 18. Juni 2009 | Geöffnet ab 18 Uhr

20 Uhr
Armin Chodzinski
In The City – Über das Tätigsein in der Stadt
Ein Vortrag mit Krawatte, Musik und PowerPoint, in dem vielleicht gesungen oder getanzt wird

21 Uhr
Gespräch mit Gästen und Publikum über Kunst im städtischen Raum
Marcel Baumgartner, Kunsthistoriker (Gießen)
Armin Chodzinski, Künstler Performer Forscher (Hamburg)
Andrea Knobloch, Künstlerin (Düsseldorf)
Markus Lepper, Leiter des Neuen Kunstvereins Gießen (Gießen)
Harald Scherer, Kulturdezernent (Gießen)
Rudolf Schmitz, Kunstkritiker (Frankfurt am Main)
Moderation: Jörg Wagner, Künstler (Gießen)

zwölfeinhalb wird begleitet von
• Knut Eckstein: détournement (constructing situation)
• der extravagantbar
• einer Dokumentation zum Bau des ‚Bürgerhauses Gießen‘
von Sven Markelius
• einer Dokumentation zum Projekt ‚Kunstgeschichte und
zeitgenössische Kunst‘

Kunsthalle Gießen in der Kongresshalle
Berliner Platz 2

 

Das art-Magazin hat in jüngster zeit online berichtet:

www.art-magazin.de

 

Ina Weber | Beton ist geduldig
09.05.–20.06.2009 | Eröffnung: 09.05. | 18 Uhr


Ina Weber »sammelt Architekturen wie Trophäen, sie sammelt sie im Vorbeifahren oder im Vorübergehen mit der Kamera ein, um sie dann, zeichnend und aquarellierend, aus ihrem Umfeld und städtischen Kontext heraus zu präparieren«, so Renate Wiehager 1999. Auch in Gießen wird Ina Weber (*1964, lebt in Berlin) auf die Pirsch gehen und die gebaute Umwelt untersuchen. Doch ihre Forschungsergebnisse präsentiert sie nicht auf Papier, sondern in Beton. Ina Weber studierte u.a. bei Martin Kippenberger.

weber